Die Jagd auf den Roten Apollo - pixAL Photography

Vor drei Jahren besuchte ich in Ausserberg, Wallis, den Kurs "Schmetterlingsfotografie" mit Thomas Marent. Damals hatte ich bei meiner brandneuen Canon EOS 6D die GPS-Funktion eingeschaltet und konnte so im Nachhinein genau sehen, wo ich welche Bilder gemacht hatte. Das brachte mich auf die Idee, noch einmal nach Ausserberg zu gehen, und das ebenfalls im Juni. Vor allem wollte ich den Roten Apollo erwischen, denn vor drei Jahren war ich bei den Apollos irgendwie nicht dazu gekommen, gute Fotos von ihnen zu machen. Vielleicht würden sie wieder an derselben Stelle anzutreffen sein.

Möge die Göttin der Schmetterlinge mir hold sein!

Erster Tag: Die Morgentour

Früh am Morgen war ich schon wach. Ich hatte kaum Schlaf gefunden, auch weil es so heiss war. Warum nicht aufstehen und noch vor dem Frühstück auf die Jagd gehen? Wenn die Falter noch schlafen und es noch nicht so heiss ist. Ich hatte gestern nach der Ankunft gegen Abend bereits in der Nähe des Hotels eine Erkundungstour gemacht. Auf Google Maps hatte ich vorher geschaut, wo es günstig sein könnte: Ein Landwirtschaftsweg quer durch ein Gebiet mit felsigen Stellen. Ich gehe nicht gerne an Orte, wo es Wanderer oder andere Zuschauer hat - oder schimpfende Bauern. Ich hatte auch bereits fotografiert, aber wirklich gute Bilder hatte es nicht gegeben. Denn es ist nicht nur sehr warm, sondern auch windig hier.

Weil ich am Abend vorher in dieser Gegend sehr viele Schachbretter herumfliegen sah, rechnete ich damit, einige davon schlafend anzutreffen. Aber wo waren sie geblieben? Lange sah ich kein einziges. Schliefen sie woanders? Oder konnte ich sie einfach nicht sehen? Vermutlich letzteres... Schliesslich fand ich doch eines, in idealer Position. Und zum Glück noch zu kalt um gleich wegzufliegen. Ich nahm das kleine Sackmesser aus der Tasche, klappte die Schere aus und schnitt rundherum ein paar störende Halme weg. Und dann konnte ich den Falter wunderbar fotografieren, mit unscharfem Hintergrund. Ich musste dazu auf den Kiesweg knien, da kamen mir meine modifizierten Jeans sehr gelegen. Ich habe bei meinen "Jagdhosen" bei einem der Hosenbeine innen im Bereich des Knies ein Stück Faserpelz eingenäht, damit ich besser auf dieses Knie runter kann.

Schon bald kam die Sonne und mit ihr die "golden hour". Da konnte ich dann schön den Himmelblauen Bläuling zwischen Gräsern fotografieren. Inzwischen waren auch die Schachbretter wieder da bzw. ich konnte sie sehen, weil sie anfingen, herumzuflattern. Aber sie waren bereits zu lebendig, um scharfe Bilder machen zu können. Schliesslich trieb mich der Hunger zurück ins Hotel ans Frühstücksbuffet.

Erster Tag: Die Mittagstour

Während des Frühstücks überlegte ich, was ich nun heute weiter machen könnte. Eine einheimische Aushilfe betreute das Buffet und ich kam mit ihr ins Gespräch. Schliesslich konnte ich mit ihr ins Dorf hinauf fahren. Das Hotel Sonnenhalde im Dorfkern, in dem wir damals logierten, ist inzwischen geschlossen und deshalb hatte ich das Hotel beim Bahnhof Ausserberg gebucht. Auf der Karte sieht der Weg vom Bahnhof ins Dorf hinauf aus wie ein Katzensprung, aber es ist weiter als man denkt, vor allem wenn es so heiss ist, und steil ist es auch. Ich war nun also im Dorf oben, hier hatte vor drei Jahren am Sonntagmorgen die Tour zu den Apollos begonnen. Und diesen Weg nahm ich nun auch in Angriff. Ich hatte nicht vor, bis hinauf zu der Apollo-Stelle zu gehen, dort wollte ich dann am frühen Morgen hin. Und der erste Abschnitt der Tour war auch interessant gewesen.

Aber was ist das? Wo die Waldstrasse ins felsige Gebiet abzweigt, ein Schild "Baustelle - kein Durchgang"? Aber dies ist ein offizieller Wanderweg? Also gehe ich einfach weiter. Dann die Stelle, wo letztes Mal die schlafenden Schachbretter waren: vollgestellt mit Baumaterial. Und schon bald die Baustelle, der Weg wird ausgebessert. Ich frage die Arbeiter, ob ich vorbei darf. Sie lassen mich vorbei. Aber wohl ist es mir nicht. Kann jetzt jederzeit ein Bagger auf dem Weg auftauchen? Und wie ist die Lage, wenn ich wieder zurück komme? Egal. Es gibt den Spruch "Dem Ingenieur ist nichts zu schwör" und das gilt auch für Fotografinnen.

Aber mir kommt es vor, als hätten die Baumaschinen alle Schmetterlinge vertrieben. Ich sehe nur wenige. Zwar konnte ich noch vor dem Abzweig der Waldstrasse ein Widderchen erwischen. Auf dem felsigen Abschnitt aber gibt es kaum was zu fotografieren. Ein Weissfleck-Widderchen sehe ich, einen Dickkopffalter kann ich ablichten. Erst weiter hinten, als wieder Wiesen kommen, ist mehr los, da kommt mir dann ein Neuer vor die Linse: Im Flug sieht er sehr dunkel aus - ein Waldportier. Schmetterlingshafte fliegen herum, aber keine Chance für ein Foto. Lange bleibe ich nicht bei den Wiesen, denn ich plane die Rückkehr so, dass ich zwischen zwölf und ein Uhr bei der Baustelle vorbei komme, wenn die Arbeiter Mittagspause machen.

Der Rückweg ist dann allerdings wesentlich interessanter. Wieder in den Felsen, sehe ich endlich Apollos! Zuerst unterhalb des Weges in den steilen Wiesenstücken. Aber dann tut mir einer den Gefallen und genehmigt sich sein Mittagessen auf einer Distel am Wegrand. Da kann ich ihn dann sehr schön fotografieren. Auch einen Schwalbenschwanz sehe ich, er ist allerdings ziemlich lädiert und kommt auch nicht nahe genug für eine wirklich gute Aufnahme. Die Schwalbenschwänze sind sowieso schwierig zu fotografieren. Wenn sie Nektar saugen, flattern sie andauernd mit den Flügeln, setzen sich nie richtig hin. Obwohl ich vom Apollo ziemlich aufgehalten wurde, klappt es mit dem Zeitplan. Ich beeile mich dann das steile Stück ins Dorf hinunter, damit ich das Postauto noch erwische.

Und jetzt? Wie den Nachmittag und Abend verbringen? Um noch eine Tour zu machen, bin ich zu erledigt, und der Wind hat beinahe stürmische Ausmasse angenommen. Also bleibe ich im Hotel, obwohl es mir nirgends richtig wohl ist. Im Zimmer ist es zu heiss und es hat keinen WLAN-Empfang, auf der Terrasse stört mich die unnötige Musikberieselung und geraucht wird auch. Auf jeden Fall zuerst duschen und etwas essen. Die Fotos kopiere ich von der Kamera auf das iPad mini, das ich extra zu diesem Zweck gekauft habe: Um die Fotos möglichst bald in gross anschauen zu können und auch als Backup der Fotos auf der Speicherkarte. Apropos Backup: für jede Tour nehme ich eine andere Speicherkarte.

Nachdem ich mir auf der Terrasse eine Glace genehmigt habe, finde ich endlich einen Ort, wo es einigermassen erträglich ist: den Frühstücksraum. Auf dem iPad mini gehe ich die Fotos durch. Diejenigen, die mir scharf erscheinen, mit einem Beschnitt versehen und in ein spezielles Album ablegen. Von den Apollo-Bildern bin ich hell begeistert! Eines der Bilder übertrage ich via Dropbox aufs grosse iPad Pro, das ich auch dabei habe. Dort bearbeite ich es in Lightroom mobile und schliesslich poste ich es auf Facebook. 

Nun gilt es den morgigen Tag zu planen. Wenn ich wirklich am frühen Morgen bei der Stelle sein möchte, wo vor drei Jahren die schlafenden Apollos waren, muss ich früh aufstehen. Das erste Postauto ins Dorf hinauf geht bereits vor halb sechs, danach hat es keines mehr bis halb acht, das ist zu spät. So früh gibt es auch noch kein Frühstück, ich kann aber zwei Sandwiches organisieren. Dann alles bereitlegen, den Wecker auf fünf Uhr stellen und ab ins Bett.

Zweiter Tag: Die Apollo-Tour

Das Aufstehen um fünf fällt mir gar nicht mal so schwer, da ich sowieso schlecht geschlafen habe. Schon um halb sechs bin ich im Dorf oben. Es ist bewölkt und das ist gut so. Eins der Sandwiches essen, das man mir im Hotel vorbereitet hat. Und dann geht es los. Um diese Zeit ist noch niemand bei der Baustelle. Noch bevor ich einen Schmetterling sehe, fliegt ein Wiedehopf auf und es gelingt mir auch, ein Foto von ihm zu machen, wenn auch nur von ziemlich weit weg. Sonst sehe ich nicht viel auf dem Weg durch die Felsen. Immerhin kann ich das Weissfleck-Widderchen genauer ins Visier nehmen. Als ich wieder zu den Wiesen komme, bald abzweigen auf den Weg, der hinauf in den Wald führt.

Als erstes eine Lichtung abgrasen, auf der wir vor drei Jahren die Schlafgemeinschaft der Baumweisslinge sowie Schmetterlingshafte gefunden haben. Aber - ausser Schachbrettern sehe ich nichts. Man könnte sogar sagen, dass die Schachbretter anfangen, mich zu nerven. Es hat wirklich viele davon und jedes Mal dauert es einen Moment, bis man realisiert, dass es "wieder nur ein Schachbrett" ist, was da herumfliegt.

So bleibe ich nicht lange auf der Lichtung und steige weiter auf. Kurz, aber steil ist der Weg bis zu der kleinen "Apollo-Wiese", wo wir vor drei Jahren mehrere Apollos fanden. Und da ist ja schon einer! Noch schlafend hängt er an einem dürren Grashalm. Als erstes suche ich vorsichtig die Umgebung ab, ob sich noch weitere Apollos im Gras aufhalten, damit ich auch sicher keinen zertrample. Aber es bleibt bei dem einen. Gut möglich, dass sich in den steileren Stellen weitere Falter aufhalten, aber da traue ich mich nicht hin - ein Ausgleiten könnte in der Schlucht unten enden. Also mache ich mich daran, den einen, ganz frischen Apollo zu fotografieren. Weil es noch nicht so hell ist, montiere ich die LED-Lampe auf der Kamera. So habe ich ihn vorgefunden: 

Ich mache sofort mehrere Bilder, damit ich schon mal etwas im Kasten habe. Der Ansitz ist aber alles andere als ideal. Daher probiere ich aus, was wir im Kurs auch gemacht haben: Ich halte ihm von unten den Zeigefinger hin, stupse ihn ein bisschen und tatsächlich, es klappt auch diesmal: Er krabbelt auf meinen Finger und schliesslich auf die Hand! Einen Moment lang schaue ich ihn mir einfach an und bewundere seine Schönheit. Dann suche ich eine besser geeignete Pflanze, auf der ich ihn absetzen kann. Aber das ist gar nicht so einfach. Margeriten hat es diesmal keine, alles ist recht niedrig. Ideal wäre eine attraktive Pflanze, die etwas aufragt mit einigem Abstand zum Hintergrund. Schliesslich finde ich aber doch etwas einigermassen Geeignetes und kann den Falter dort absetzen. Zuerst ist er alarmiert und hält die Flügel gespreizt, aber dann faltet er sie wieder mehr und mehr zusammen und ich kann Fotos von all den verschiedenen Sitzhaltungen machen. Auch hier wieder mit der kleinen Schere störende Gräser wegschneiden, vor allem wenn sie dürr sind.

Zwei weitere Male platziere ich den Schmetterling um. Die Stelle ist ideal, die Sonne kommt hier erst sehr spät. Was bedeutet, dass es für den Apollo noch zu kühl ist, um wegfliegen zu können. Ich kann mich dann auch fast nicht mehr losreissen von ihm, aber irgendwann muss es sein. Das erste Foto machte ich um 7.20 Uhr, das letzte um 8.30. Dazwischen habe ich mich auch einmal kurz ausgeruht und das zweite Sandwich gegessen. Kurz bevor ich gehe, mache ich mit dem iPhone noch ein Foto von der kleinen "Apollo-Wiese", direkt an der Kurve des Wanderwegs gelegen.

Schon bald bin ich wieder unten bei den Wiesen. Es ist bereits wieder sonnig und heiss und es fliegt und summt um mich herum. Das geniesse ich richtig. Ich kann verschiedene Schmetterlinge fotografieren und auch zweimal einen Schmetterlingshaft. Und endlich bekomme ich mal den Mauerfuchs besser aufs Bild.

Das Schöne ist: weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Aber plötzlich höre ich ein Motorrad - ein Bauer kommt angefahren und schaltet die Bewässerungsanlage aus, an der ich am Morgen vorbei gekommen bin. Das ist auch nötig, das Gras liegt schon ganz flach. Bewässert wird hier überall, in jeder Wiese hat es ein Rohr, das senkrecht mehr oder weniger weit aus dem Boden ragt. Der Bauer hat mich zwar nicht gesehen, aber ich traue mich nicht mehr in die Wiesen rein, solange er in der Nähe ist. Also mache ich mich auf den Rückweg. Aber kurz bevor die Felsen wieder kommen, auf einer steilen Wiese oberhalb des Weges, was sehe ich dort? Ein Segelfalter fliegt herum! Oh nein! Ich trau mich nicht in die Wiese, wenn jederzeit der Bauer vorbei kommen könnte. Also gehe ich zögernd weiter. Kaum bin ich ein Stück weit in den Felsen, kommt der Bauer angerattert, fährt an mir vorbei. Und ich - kehre um. Der Segelfalter ruft!

Die Wiese ist steil und ich muss beinahe klettern, aber es lohnt sich. Nicht nur ein Segelfalter, sondern auch ein Apollo und ein Schwalbenschwanz bedienen sich bei den vielen Blumen. Vor allem die Skabiosen sind beliebt. Bei einer Safari spricht man von den "Big Five", die man in Afrika zu fotografieren hofft: Nashorn, Löwe, Elefant usw. Ich hatte auf dieser Wiese sozusagen die "Big Three" der Schmetterlinge alle beieinander: Apollo, Segelfalter, Schwalbenschwanz! Dank sei der Göttin der Schmetterlinge! Sie gehören übrigens alle zur Familie der Ritterfalter.

Eigentlich bin ich schon ziemlich müde und ein grosser Teil des Rückwegs liegt noch vor mir. Aber weiter vorne in den Felsen habe ich tatsächlich noch einmal Glück! Bei den Disteln sind wieder Apollos und ich mache über 60 Fotos von ihnen. Auch hier kann ich mich kaum losreissen.

Als ich mich der Baustelle nähere, warte ich, bis ich keinen Baggerlärm mehr höre und kann dann relativ gut passieren. Beim Abstieg ins Dorf tun mir dann die Knie so richtig weh. Im Hotel schaffe ich es kaum die Treppe hinauf in mein Zimmer. Dieses ist im obersten Stock, deshalb ist es wohl auch so heiss dort. Den Rest des Tages mit Erholung und Sichten der Fotos verbringen. Ich lege mich sogar kurz hin, aber schlafen kann ich nicht. Es ist einfach zu heiss. Ich kann die Schärfe zwar nicht abschliessend beurteilen auf dem iPad mini, aber es sieht so aus, als hätte es jede Menge toller Fotos gegeben während der heutigen Tour. So viele Apollos! Was auch immer noch kommt, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Dritter Tag: Perlmutt und Feuer

Am Morgen Regen. Aber schon bald scheint wieder die Sonne. Und es ist fast noch heisser als gestern, weil es auch noch feucht ist. Was tun? Eigentlich ist es mir zu heiss, um irgendwas zu unternehmen. Aber was soll ich sonst hier machen? Also am späten Vormittag die Kamera schnappen und wieder auf denselben Landwirtschaftsweg wie vorgestern. Zunächst finde ich die Falter vor allem auf den Nelken. Die unvermeidlichen Schachbretter. Bläulinge. Dickkopffalter. Auf einer der Nelken entdecke ich eine Krabbenspinne, es ist gut zu sehen, wie sie hier ihren Opfern (den Schmetterlingen!) auflauert.

Das Widderchen links auf dem zweiten Bild sah ich erst, als ich zuhause das Foto bearbeitete.

Zum Glück hat es immer mal wieder Wolken. Aber leider auch viel Wind. Auf dem Rückweg komme ich zu einer Stelle am unteren Wegrand mit viel Thymian. Und bin freudig überrascht, ich sehe zwei Kleine Perlmutterfalter herumfliegen, sie sehen ganz frisch aus! Aber leider hat es einen Maschenzaun dem Weg entlang, der grössere Teil des Thymians befindet sich jenseits davon. Und nur ganz am Anfang ist der Falter auf meiner Seite des Zauns. In die abgezäunte Weide hinein, zu den neugierigen Schafen, traue ich mich nicht.

Also versuche ich durch den Maschenzaun hindurch zu fotografieren und hoffe darauf, dass die Falter doch wieder zu mir hinauf kommen. Erst recht, als ich einen "neuen" entdecke: Den Violetten Feuerfalter! Er bedient sich ausführlich auf den Thymian-Polstern und ich versuche die ganze Zeit, ein gutes Foto seiner Unterseite zu machen. Aber das will nicht so recht klappen und die Distanz ist eigentlich auch zu gross. Auch hier kann ich mich fast nicht losreissen, weil ich immer hoffe auf ein noch besseres Bild!

Das Thymian-Widderchen sehe ich mehrmals. Und den Rotklee-Bläuling erwische ich beim Eierlegen - auf Rotklee natürlich.

Der Kleine Perlmutterfalter begegnet mir später zum Glück noch einmal. Er präsentiert sich auf einem Stück Fels. Ich freue mich immer, wenn ich einen Schmetterling mal nicht im Grünen fotografieren kann. Das Grün ist mir meistens viel zu dominant, bei der Bildbearbeitung schwäche ich es fast immer ab, weil es mir zu knallig ist. Kann es sein, dass die Prozessoren oder Sensoren der Kameras die Farbe Grün bevorzugen, wegen all den Landschaftsfotografen?

Es hat hier natürlich auch noch andere Tiere. (Wobei ich mich manchmal frage, ob der Schmetterling ein Tier ist...) Eine schillernd grüne Eidechse sehe ich, aber sie verschwindet blitzschnell. Ich gehe mehrmals wieder an der Stelle vorbei, wo sie verschwand, aber sie zeigt sich nicht mehr. Die bereits erwähnte Krabbenspinne. Heupferde (wieder so ein Name!).

Bei der Stelle mit dem Thymian sehe ich plötzlich direkt vor mir ein kleines, leuchtendrotes Monster. Es starrt mich an, richtet sich auf und streckt gierig seine Vorderbeine nach mir aus, wie wenn es mich packen wollte. Ich fotografiere es und staune, was es so alles gibt im Tierreich. Ich muss dann zuhause eine Weile recherchieren, bis ich herausfinde, wie das kleine Monster heisst: Rote Mordwanze. Ein sehr passender Name!

Am Abend beim Nachtessen ist die Terrasse voll. Wieder die Gruppe Studenten, die schon seit gestern hier ist. Ich hörte, es seien Biologen oder Botaniker. Es stellt sich dann heraus, dass es Landschaftsarchitekten sind, die sich hier in einer Studienwoche mit den Themen Vegetationstypen und Tierökologie befassen. Ich komme ins Gespräch mit einer Schmetterlingsexpertin, die die Gruppe als Dozentin für Tierökologie begleitet. Sie sagt, sie vermute, dass es wegen der Frostphase im April deutlich weniger Schmetterlinge habe als andere Jahre. Vielleicht ist das auch der Grund für die fehlenden Baumweisslinge. Sie kann mir auch den einen oder anderen Tipp geben zur Bestimmung der Falter. Mir ist es wichtig, dass diese auf meiner Website auch richtig angeschrieben sind, inklusive lateinische Namen.

Vierter Tag: Home Sweet Home

Auch heute könnte ich noch eine Tour machen. Aber so langsam zieht es mich nach Hause, um mich zu erholen und vor allem um die Beute eingehend zu begutachten. Deshalb reise ich schon nach dem Frühstück ab. Auch weil es mir in dem Hotel nicht so gefallen hat. Dies ist zwar teilweise der Hitze zuzuschreiben. Auf jeden Fall kann ich das Hotel einer geräusch- und geruchsempfindlichen Person nicht empfehlen.

Die nächsten Tage verbringe ich zuhause mit dem Sichten und Bearbeiten meiner Bilder in Lightroom. Die Fotos importiere ich nicht von den fünf Speicherkarten, sondern vom iPad mini. Wie immer habe ich grosse Mühe, eine Auswahl zu treffen. Mehr als 850 Fotos habe ich gemacht! Und es hat sich gelohnt. Hauptsächlich wegen der vielen Apollo-Bilder. Aber nicht nur, ich denke da an den Segelfalter, den Violetten Feuerfalter und, und, und.

Schliesslich schaffe ich es, mich für die Publikation auf meiner Website auf 100 Bilder zu beschränken. Bearbeitet habe ich aber einige mehr, denn manchmal braucht es das, bis klar ist, ob ein Bild brauchbar ist. Manche Bilder behalte ich zu Dokumentationszwecken, zum Beispiel, wenn es das einzige Bild einer neuen Art ist, auch wenn es nicht so scharf und freigestellt ist, wie man es gerne hätte. Beim Bearbeiten achte ich darauf, es nicht zu übertreiben, weder mit dem Schärfen noch mit der Sattheit der Farben. Hingegen scheue ich mich nicht, störende Elemente wie dürre Grashalme oder anderes, was den Blick vom Schmetterling ablenkt, zu entfernen. Da bin ich froh, dass ich bei ein paar Bildern schon an Ort und Stelle mit meiner kleinen Schere solche Sachen entfernen konnte. Das ging natürlich nur in Situationen, wo der Schmetterling nicht gleich wegflattern konnte.

Das Stativ wollte ich eigentlich mitnehmen, habe es dann aber doch zu Hause gelassen. Es gab zwei Situationen, wo ich es hätte einsetzen können: Am frühen Morgen bei dem schlafenden Schachbrett und dann auch beim Apollo. Aber beide waren so nahe am Boden, dass es mit meinem Stativ mühsam gewesen wäre, es aufzustellen. Ich werde mich mal umsehen, ob es für meinen speziellen Anwendungsbereich etwas Kleineres, Besseres gibt. Allerdings ist mir das Hantieren mit dem Stativ eigentlich zu langsam und zu kompliziert.

Überhaupt bin ich eher faul beim Fotografieren, meist denke ich nicht mal daran, die Blende zu verstellen. Wers nicht glaubt, kann nachsehen, bei fast allen meinen Fotos hatte ich Blende f/9.

Wenn es einen Preis gäbe für den "Laziest Photographer", ich würde ihn gewinnen! Aber auch den Preis "Most dedicated to butterflies"... Darum liebt mich die Göttin der Schmetterlinge - und Apollo ist ihr Prophet.


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